balladins SUPERIOR Hotel Bremen: "MahlZeit"

Kurzbeschreibung des Projekts

Ein erfolgreiches Quartiersmanagement zeichnet das Projekt „MahlZeit“ des balladins SUPERIOR Hotel in Bremen aus. In einer beispielhaften Kooperation zwischen dem Hoteldirektor Marc Cantauw, Pastor Heinz-Martin Krauß und Quartiersmanager Dirk Stöver werden bedürftige Kinder und ihre Familien aus dem Bremer Stadtviertel Neue Vahr auf vielfältige Art und Weise unterstützt und gefördert. Seit Januar 2008 organisieren die Engagementpartner jeden Sonntag für 40 bis 80 Kinder und ihre Familien ein warmes Mittagessen, bieten eine Kleider- und Spielzeugkammer im Gemeindezentrum und unternehmen Ausflüge ans Meer und in die nähere Umgebung. Resultat: Das Quartier wächst zusammen – Kinder und Familien aus unterschiedlichen Kulturkreisen essen gemeinsam zu Mittag, treffen sich in ihrer Freizeit, leben mit- und lernen voneinander.

Das Problem

Kinderarmut in Deutschland
In Deutschland lebt jedes zehnte Kind in relativer Armut, so eine Studie der UNICEF. Das ergibt 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, deren Familien mit weniger als der Hälfte des Durchschnittseinkommens auskommen müssen. Vor allem Kinder mit Migrationshintergrund oder mit alleinerziehendem Elternteil sind überdurchschnittlich häufig von diesem Schicksal betroffen. Zusätzlich wächst die Kinderarmut schneller als die Armut unter Erwachsenen. So leiden vor allem die Kinder von Geringverdienern oder Arbeitslosen unter relativer Armut und eingeschränkten Entwicklungsperspektiven.

Das Unternehmen

balladins SUPERIOR Hotel Bremen
Das balladins SUPERIOR Hotel Bremen besteht mit wechselnden Namen bereits seit 1971. Es gehört heute der Dynamique Hotel Management (DHM) Gruppe an und liegt im Bremer Stadtteil Schwachhausen. Marc Cantauw leitet das Hotel mit 40 Mitarbeitern, 144 Zimmern, einem Restaurant sowie Tagungs- und Veranstaltungsräumlichkeiten seit Oktober 2007.

Motivation
Marc Cantauw, der neben seiner Tätigkeit als Hoteldirektor noch zwei Geschäfte in Cuxhaven führt, ging lange Zeit mit dem Gedanken um, nicht nur als erfolgreicher Unternehmer, sondern auch als aktiver Helfer die gesellschaftlichen Verhältnisse in seiner Umgebung zu verbessern. Eine Weihnachtssendung brachte ihn auf die Idee, einmal wöchentlich armen Kindern aus der Umgebung eine Mahlzeit anzubieten.

 

1. Phase: Das Problem erkennen

Kinderarmut in Bremen – „Dass Kinder nichts zu essen
bekommen, geht nicht!“

Kurz vor Weihnachten 2007 hört Marc Cantauw im Radio, wie Bremer Kinder erzählen, was sie sich zu Weihnachten wünschen: Eine funktionierende Heizung oder auch nur ein warmes Essen sind die schockierenden Antworten zahlreicher Kinder aus dem Bremer Stadtteil Neue Vahr. Für Marc Cantauw ist das der Anstoß, „nicht mehr nur zu reden, sondern endlich zu handeln“. Als Direktor eines Hotel- und Gastronomiebetriebes kommt ihm die Idee, eine Aktion ins Leben zu rufen, die bedürftigen Kindern jeden Sonntag eine warme „MahlZeit“ bereitstellt; etwas, das er selbst in seiner Kindheit selbstverständlich fand. Nur 500 Meter vom Hotel entfernt beginnt das Stadtviertel Neue Vahr. Hier will er aktiv werden. In der Neuen Vahr, einer Großsiedlung aus den 60er Jahren mit 8.000 Einwohnern, liegt die Arbeitslosigkeit bei ca. 20 Prozent und damit weit über dem städtischen Durchschnitt von 12,7 Prozent. Als eine der Folgen leben hier 57 Prozent der Kinder unter 15 Jahren in Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften; 78 Prozent der Kinder haben einen Migrationshintergrund.

2. Phase: Eine Strategie entwickeln

„MahlZeit“ für Kinder – Geballte Tatkraft aus Wirtschaft,
Kirche und Stadt

Nach dem Entschluss, seine Idee in die Tat umzusetzen, tritt Marc Cantauw in Kontakt mit dem Pastor der Evangelischen Kirche in der Neuen Vahr, Heinz-Martin Krauß. Räumlichkeiten für die „MahlZeit“ müssen her, die für die bedürftigen Kinder und ihre Familien gut erreichbar sind. Gemeinsam fassen sie den Entschluss, die „MahlZeit“ im Gemeindezentrum des Stadtteils anzubieten. Das Team Cantauw und Krauß steht nun, nachdem das Essen und die Räumlichkeiten vorhanden sind, vor der nächsten Frage: Wie erreichen wir die Kinder am besten? Beide sind neu im Stadtteil, auch Pastor Krauß kam erst 2007 nach einem Auslandsaufenthalt in Bolivien in die Gemeinde. Benötigt wird ein Partner, der den Ort, die Familien und Kinder in der Neuen Vahr kennt. Der engagierte Quartiersmanager Dirk Stöver ist schnell überzeugt von der Idee. Auch er möchte seinen Beitrag zur Verbesserung der Situation von Kindern und ihren Familien im Stadtteil leisten. Zusammen mit der stellvertretenden Verkaufsleiterin des Hotels, Ulrike Eichner, steht innerhalb von vier Wochen das Vierergespann aus Wirtschaft, Kirche und Stadt, das zukünftig alle weiteren Schritte und Projekte gemeinsam plant.

In Vorgesprächen mit Pädagogen aus Kindergärten und Schulen informieren sich die Engagementpartner über ihre Zielgruppe. Ihre Vermutungen bewahrheiten sich: Eine große Zahl von Kindern ist montags sehr hungrig, sodass allgemein fast doppelt so viel gekocht werden muss wie an den restlichen Tagen der Woche. Wichtig ist also eine Mahlzeit am Sonntag. Auch der Projektname wird endgültig festgelegt: „MahlZeit“. Kinder treffen hier auf Menschen, die ihnen ein warmes Mahl bereiten und Zeit für sie haben.

 

3. Phase: Das Projekt auf den Weg bringen

„Nicht lange schnacken, einfach machen.“
Getreu dem Motto des Initiators Cantauw findet die erste „MahlZeit“ schon vier Wochen später statt, am 20. Januar 2008. Auch eine Kleider- und Spielzeugkammer, aus der sich die Kinder gespendete Sachen kostenlos aussuchen können, öffnet am selben Tag.

Sensibler Ansatz
Die größte Herausforderung für das Projekt besteht darin, dass die Kinder auch wirklich zur „MahlZeit“ kommen. Städtische und kirchliche Hilfsprojekte in verschiedenen Bereichen gibt es bereits in großer Zahl. Oft werden diese Projekte jedoch nicht angenommen. Für das Team ist oberstes Ziel, „dass die Leute kommen“. Von Beginn an wird daher ein offener Ansatz für das Projekt gewählt. „MahlZeit“ präsentiert sich als Angebot der Gemeinschaft und der Nachbarschaft.

Kinder und ihre Familien werden hier nicht primär als Hilfsbedürftige gesehen, sondern vielmehr als Teil der Quartiersgemeinschaft. Die Flyer für das sonntägliche Essen werden zum Beispiel so gestaltet, dass sie einer Kindergeburtstagseinladung ähneln. Jeder kann zur „MahlZeit“ kommen. „Selbst wenn mal jemand kommt, der es vielleicht nicht so nötig hat, ist das für uns okay, da sich daraus neue soziale Kontakte entwickeln können“, so Cantauw. Dieser Ansatz, der das Erreichen der Menschen in den Vordergrund rückt, führt dazu, dass das Konzept bald verändert wird: Nicht mehr nur die Kinder, sondern auch die Eltern werden eingeladen. Zum einen sollen die Familien am Sonntag nicht auseinandergerissen werden, zum anderen können nur auf diese Weise auch kleine Kinder erreicht werden. „Es ist schön, mitanzusehen, wie Kinder und Familien aus unterschiedlichen Kulturkreisen gemeinsam an einem Tisch sitzen“, berichtet der Hoteldirektor.

Gute Zusammenarbeit: „Das ist schon ein witziges Team,
das wir hier haben.“

Die Partner ergänzen sich hervorragend: So spenden das Hotel und teilweise auch Lieferanten die frischen Zutaten, deren monatliche Kosten zwischen 600 und 700 Euro liegen. Vor allem Gemüse, Kartoffeln und Fisch werden in der Hotelküche für die Kinder gekocht. Die Kirchengemeinde stellt die öffentlichen Räume sowie Arbeitszeit der Mitarbeiter zur Verfügung, indem beispielsweise die Spendeneinnahmen von ihr verwaltet werden. Die Stadt unterstützt die
„MahlZeit“, indem sie das Engagement des Quartiersmanagers teilweise
als Arbeitszeit anrechnet. So wird es möglich, dass bei Sommerausflügen
des Projekts, an dem einige Kinder alleine teilnehmen, die Aufsichtspflicht bei ihm als städtischem Quartiersmanager liegen kann. Planungstreffen der vier, die sich auch persönlich sehr gut verstehen, finden unregelmäßig und bei Bedarf statt.

 

Begeisterung für die Sache
Allen gemeinsam ist die große Bereitschaft, sich für ihr Ziel zu engagieren. Sonntags sind mindestens zwei, manchmal auch alle vier Gründer dabei. Sie essen gemeinsam mit den Familien, spielen mit den Kindern und unterhalten sich mit den Eltern. Diese Präsenz ist ihnen persönlich wichtig, zugleich ist sie aber auch bedeutsam für die Glaubwürdigkeit eines Nachbarschaftsprojekts, das alle an einen Tisch bringen möchte.

Das Projekt „MahlZeit“ ist ein Erfolg fürs ganze Quartier

Als Nachweis des Erfolgs lässt sich in erster Linie der große Zuspruch durch die Kinder und ihre Eltern nennen, von denen im Schnitt 50 bis 60 jeden Sonntag die „MahlZeit“ besuchen. Insgesamt wurden seit Beginn des Projekts ca. 250 Personen erreicht. Neben dem Primärziel, dass die Kinder sonntags eine warme Mahlzeit bekommen, lernen sie durch die gute Küche auch mehr über eine gesunde Ernährung. Sie können neue Gemüsesorten wie Rotkohl oder Zucchini, die sie teilweise vorher nicht kannten, kennenlernen und probieren. Inzwischen engagieren sich zusätzlich 18 ehrenamtliche Helfer, die in Notlagen gerne über die Essensausgabe hinaus helfen: So wird auch mal der Umzug einer alleinerziehenden Mutter unterstützt. Die Kleider- und Spielzeugkammer ist so beliebt, dass sie sogar während der Woche öffnet. Das Projekt prägt durch seine steigende Beliebtheit die gesamte Quartiersgestaltung, da es Familien mit ganz unterschiedlichen kulturellen Hintergründen zusammenbringt. Wie Dirk Stöver feststellt, treffen in den Räumen der evangelischen Gemeinde u. a. deutsche, afrikanische, afghanische und russische Familien zusammen – das ist gelebte Integration. Durch das große Interesse der Medien wurden und werden Bremer Bürger und Unternehmen nicht nur auf das Projekt aufmerksam, s

ondern inzwischen auch aktiv. Sie spenden Kleider, Spielzeug und manchmal auch Lebensmittel. Diese Unterstützung ermöglicht ein weitergehendes Engagement: Unter dem Motto „MahlZeit on tour“ werden während der Sommerferien drei Ausflüge ins Bremer Umland angeboten. Ein Benefiz-Fußballturnier, das auf Anregung eines Hotelauszubildenden hin organisiert wird, kann dank der freundlichen Unterstützung anderer Unternehmer in größerem Umfang als geplant stattfinden. Nicht zuletzt freuen sich alle Beteiligten darüber, dass ganz neue Kontakte entstehen. So ist Marc Cantauw nun in das Stadtviertel-Netzwerk eingebunden, in dem ansonsten die Kommunalpolitik vertreten ist, und Dirk Stöver als Quartiersmanager hat jetzt Zugang zum Bremer Unternehmer-Netzwerk. Dies erleichtert die eigene Arbeit, macht die Vorteile von Partnerschaften deutlich und weiteres Engagement möglich.

4. Phase: Den nächsten Schritt gehen

Weiterhin viele „MahlZeiten“ und noch mehr Hilfe für
die Kinder

An erster Stelle stehen für die vier Projektpartner Kontunuität und langfristiger Erfolg. Diese Arbeit hat sich so bewährt, dass sie inzwischen auch anderen als Vorbild dient und sich die Besuche interessierter Gäste (wie z. B. der Bremer Sozialsenatorin) häufen.

Die Initiatoren sind davon überzeugt, dass eine starke Partnerschaft nachhaltiges Handeln ermöglicht, dass aber auch die stärksten Schultern nur begrenzt zu tragen vermögen. Aus diesem Grund wählen sie neues Engagement sehr sorgfältig aus. So wird im November 2008 der „MahlZeit-Chor“ unter Leitung einer Musiktherapeutin seine Arbeit aufnehmen. Im Rahmen dieses Chors sollen sich die Kinder durch Singen und Tanzen musikalisch neu entdecken und Selbstbewusstsein entwickeln. Auch die Einrichtung einer Jobbörse für das Stadtgebiet ist angedacht. Sie soll gezielt Arbeitskräfte des Stadtteils Neue Vahr fördern und vermitteln – eine Idee, die Marc Cantauw im Kleinen bereits realisiert hat, indem einer der jugendlichen Helfer der „MahlZeit“ eine Stelle in seiner Hotelküche gefunden hat.

Eine wichtige Rolle wird „MahlZeit“ voraussichtlich im Rahmen des Bundesprogramms EXWOST (Experimenteller Wohn- und Städtebau) spielen: Die Neue Vahr wurde als Modellprojekt ausgewählt, und ein Zusammenführen des Programms mit dem Projekt „Mahl-Zeit“ und den aus ihm entstandenen Strukturen und Netzwerken ist geplant. Beibehalten werden soll der offene und partnerschaftliche Umgang aller Beteiligten miteinander, aus welchem Bereich sie auch immer kommen mögen. Ein schöner Dank sind die „leuchtenden Augen“
der Kinder.

balladins SUPERIOR Hotel Bremen
Branche:
Gastronomie- und Hotelgewerbe
Kerngeschäft: Hotelbetrieb mit Restaurant, Bar und Veranstaltungsmöglichkeit
Geschäftsführung: Marc Cantauw
Mitarbeiterzahl: 40

Kontakt:
Marc Cantauw
August-Bebel-Allee 4
28329 Bremen
Telefon: 0421/23870

E-Mail: m.cantauw (at) hotelbremen (dot) net
Internet: www.hotelbremen.net
Weitere Infos: http://www.mahlzeit-bremen.de