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iq consult GmbH: Projekt „enterprise“

Kurzbeschreibung des Projekts

„enterprise“ richtet sich an jugendliche Arbeitslose zwischen 18 und 27 Jahren, die ein eigenes Unternehmen gründen möchten. iq consult bietet Unterstützung bei der Entwicklung der Idee und der Erstellung des Konzepts sowie bei der Finanzierung und den ersten Schritten der Umsetzung. Seit 1999 hat das Projekt alleine in Brandenburg über 300 Gründungen, in ganz Ostdeutschland seit 2002 über 1.400 Gründungen realisiert. Mehr als 70 Prozent der Existenzgründer sind heute noch am Markt.

Das Problem

Fehlende Berufsperspektiven für Jugendliche in den ostdeutschen Bundesländern
Für eine lebendige Region sind Unternehmen elementar – sie schaffen Arbeitsplätze und erwirtschaften Wertschöpfung. In den ostdeutschen Bundesländern ist die Unternehmensdichte im Vergleich zu den westdeutschen Bundesländern deutlich geringer. Die Folge ist die Abwanderung vor allem junger Menschen in andere Regionen Deutschlands. Für das Jahr 2009 wird eine Abwanderung von 50.000 Erwerbstätigen prognostiziert. Wegen mangelnder Ausbildungs- und Arbeitsplätze ist die Arbeitslosenquote deutlich höher als in Westdeutschland. Vor allem Jugendliche haben schlechte Perspektiven: Ca. 111.000 junge Menschen unter 25 Jahren (Stand Oktober 2008) sind ohne Arbeit.

Das Unternehmen

iq consult GmbH
Im Jahr 1994 gründet Norbert Kunz gemeinsam mit fünf weiteren Partnern die iq consult GmbH in Berlin. Mit dem Unternehmen wollen sie neue Wege in der Kompetenzentwicklung gehen. Hauptsächlich bieten sie ihre Leistungen für gemeinnützige Organisationen an. Hier besteht ein hoher Beratungsbedarf – viele Organisationen haben jedoch nicht die finanziellen Mittel, um für diese zu bezahlen. Damit die Ideen der iq consult trotzdem realisiert werden können, gründet sie 1995 den Verein iq consult e. V. Seitdem entwickelt und setzt der Verein eigene Projekte im sozialen Bereich um. Diese Hybridstruktur macht es möglich, zum einen Beratungsleistungen für Unternehmen, Ministerien und weitere private Kunden anzubieten, zum anderen eigene Projektideen zu verwirklichen. Dabei profitieren beide: der Verein von den Erfahrungen im Unternehmen und das Unternehmen vom Know-how des Vereins. Heute sind bei iq consult ca. 30 Personen beschäftigt.

Motivation
Existenzgründungen von arbeitslosen Jugendlichen zu fördern ist gelebte Sozialpolitik. Der „Social Return on Investment“ ist um ein Vielfaches höher als die erforderliche Investition. Junge Existenzgründer, die sonst von Transferleistungen leben würden, sind nicht mehr von staatlichen Zuwendungen abhängig. Im Gegenteil, sie zahlen Steuern und Sozialabgaben, schaffen weitere Arbeitsplätze und tragen zum Wachstum der Region bei. Das ist die Philosophie von Norbert Kunz und seinen Kollegen für die Entwicklung
der Projekte.

1. Phase: Das Problem erkennen

Ein Abschluss garantiert noch keinen Arbeitsplatz
Die Idee, Menschen aus der Arbeitslosigkeit in die Selbstständigkeit zu begleiten, entsteht 1995. In diesem Jahr bekommt iq consult den Auftrag, für Jugendliche ohne Ausbildungsplatz ein modulares Weiterbildungssystem zu entwickeln. Parallel zu den Beschäftigungsprogrammen der Agentur für Arbeit sollen die Jugendlichen durch gezielte Weiterbildungen einen anerkannten Ausbildungsabschluss erlangen. Doch viele Teilnehmer des Programms finden trotz ihres Abschlusses anschließend keinen regulären Arbeitsplatz. Norbert Kunz fragt sich, welche Alternative es noch für diese Jugendlichen gibt. Ist Selbstständigkeit eine nachhaltige Lösung?

Seit 1976 begleitet der Prince’s Trust in England Jugendliche erfolgreich in die Selbstständigkeit. Norbert Kunz ist von diesem Konzept begeistert. Auf Basis des Prince’s-Trust-Projektes entwickelt er sein eigenes Projekt. Bestandteile sind Gründungsberatung, Mentoren für die Gründungswilligen und Mikrokredite für die Startfinanzierung. In Deutschland wird das Konzept kritisch beurteilt. „Jugendliche können und wollen das nicht. Das kann gar nicht funktionieren“, lauten die Reaktionen auf das neue Konzept. Kunz bleibt hartnäckig. Er sucht junge Gründer, die er auf Fachtagungen als gute Beispiele für die Möglichkeiten des Konzepts vorstellt, und spricht das Thema immer wieder in Bildungsnetzwerken an. 1998 hat er Erfolg – das Jugendministerium Brandenburg stellt Norbert Kunz 60.000 DM für ein Pilotprojekt in der Stadt Brandenburg zur Verfügung.

2. Phase: Eine Strategie entwickeln

Unternehmen in die Region bringen
Norbert Kunz und seine Kollegen müssen nun im Pilotprojekt Brandenburg beweisen, dass ihr Konzept in der Praxis wirksam ist. Sie richten ein Büro in der Stadt Brandenburg ein, in dem Gründungswillige eine erste kostenlose Beratung erhalten. Die Nachfrage übertrifft die Erwartungen deutlich: Zahlreiche Jugendliche mit guten Ideen und echtem Interesse am Unternehmertum nehmen das Angebot an. Jeder wird mit seiner Idee ernst genommen – das ist die oberste Priorität der Gründungsberater. Es geht darum, den Jugendlichen dabei zu helfen, ihre Vorstellungen umzusetzen. Skeptiker, die den Jugendlichen die Umsetzung nicht zutrauen, gibt es schon genug. Die Geschäftsideen der Jugendlichen sind vielfältig: Einige wollen ihr Hobby zum Beruf machen, andere möchten nach einer Ausbildung ihr eigenes Unternehmen gründen, zum Teil deshalb, weil es keine Jobs für sie gibt. Der Unterstützungsbedarf der Jugendlichen bei der Konkretisierung ihrer Ideen und der Prüfung, ob eine Selbstständigkeit überhaupt möglich und sinnvoll ist, ist sehr groß.

Die jungen Existenzgründer haben häufig negative Erfahrungen hinter sich, bevor sie zu „enterprise“ kommen: Kammern und Verbände erwarten fertig ausgestaltete Businesspläne, und Kreditanfragen bei Banken sind oft erfolglos. „enterprise“ setzt genau hier an: Gemeinsam mit ihrem Berater entwickeln die Jugendlichen ihre Ideen weiter, machen Marktanalysen und stellen einen genauen Businessplan auf.

Startfinanzierung für Existenzgründer ist die größte Hürde
Nicht alle machen sich selbstständig: Rund 20 Prozent der Interessierten entwickeln ein tragfähiges Konzept für ihre Gründung. Die wesentliche Frage dabei ist, woher das Geld für die nötigen Anfangsinvestitionen kommen soll. Trotz solider Businesspläne und der Unterstützung von iq consult sind die Banken nicht bereit, den jungen Existenzgründern Kredite zu gewähren. Norbert Kunz und seine Mitstreiter lassen sich davon nicht beirren und suchen für die Startfinanzierung weitere Partner. Gemeinsam mit der GLS Bank wird ein erster revolvierender Fonds für die jungen Gründer entwickelt. Die GLS Bank selbst und das Land Brandenburg stellen das Startkapital für den Fonds. Die Kredite werden durch einen regionalen Vergabebeirat nach festen Kriterien von „enterprise“ vergeben. Die Erfolge der Pilotphase begeistern nicht nur Norbert Kunz und Kollegen, sondern auch das Land Brandenburg, das die Weiterführung des Projekts „enterprise Brandenburg“ beschließt.

3. Phase: Das Projekt auf den Weg bringen

Standards entwickeln, um mehr Jugendliche zu erreichen
iq consult beginnt, Standards für das Existenzgründungskonzept festzulegen, die den speziellen Anforderungen der Jugendlichen gerecht werden. Kernstück des Projektes „enterprise Brandenburg“ ist das von iq consult konzipierte vierstufige Modell für die Beratung und Unterstützung von Existenzgründern: Profiling und Orientierung – Planung und Qualifizierung – Start – Konsolidierung und Wachstum. So erhalten die Jugendlichen die Kompetenzen, die sie als Unternehmer benötigen.

Profiling und Orientierung
Diese Phase ist für alle Existenzgründer entscheidend. Gibt es einen Markt für meine Idee? Habe ich die Fähigkeiten und das Wissen, um Unternehmer zu sein? Jede Person und Idee werden eingehend geprüft: Stellen der Gründungswillige und sein Berater dabei fest, dass das Konzept nicht umsetzbar ist, werden die Schwachpunkte des Vorhabens identifiziert. Ungefähr ein Viertel der Gründungswilligen gibt in dieser Phase auf. Doch das ist nicht immer das Ende: Einige arbeiten nun sogar als Angestellte bei potenziellen Konkurrenten, die sie bei ihrer eigenen Marktanalyse befragt haben.

Planung und Qualifizierung
Erweist sich eine Idee als tragfähig, vermittelt iq consult dem Gründer wichtige Kompetenzen: Buchhaltung, Nutzung von Kommunikationsmedien, aber auch Umgangsformen oder sicheres Auftreten – je nach den Bedürfnissen des Einzelnen. Parallel dazu erstellen Berater und Gründer einen Businessplan für die Selbstständigkeit. Neben der Planung und Schulung geht es um die konkrete Finanzierung der Gründung. Die Zuschüsse der GLS Bank, die dem Projekt in der Anfangsphase zur Verfügung stehen, sind keine dauerhafte Lösung. Langfristig sollen die Gründer Kredite auf dem freien Markt erhalten. Mikrokredite für Existenzgründer, bekannt aus Entwicklungsländern, müssten sich doch auch in Deutschland umsetzen lassen, meint das Beratungsteam. So gründet es mit der Hilfe der Deutschen Bank Stiftung einen eigenen Mikrofinanzfonds mit einem Kapital von 100.000 Euro. Junge Gründer erhalten aus diesem Fonds nun bei Bedarf eine Startfinanzierung von bis zu 5.000 Euro in Form eines bedingt rückzuzahlenden Darlehens. Wenn ein Gründer trotz eines guten Konzepts und der Einhaltung aller Auflagen mit seiner Geschäftsidee scheitert, wird ihm der Kredit erlassen. Der Gründer kann so im Zweifel schuldenfrei sein Leben neu ordnen. Die Ausfallquote liegt derzeit bei ca. 20 Prozent, sodass noch über 75.000 Euro für weitere Kredite verfügbar sind.

Start
Wenn Businessplan und Finanzierung stehen, ist der Tag der Geschäftseröffnung nicht mehr weit. Diesen Punkt erreichen rund 20 Prozent derjenigen, die sich für eine Beratung anmelden. Die Arbeit von „enterprise“ ist damit nicht zu Ende. Den Gründern werden regelmäßige Stammtische angeboten, bei denen aktuelle Informationen ausgetauscht, wichtige rechtliche Neuerungen vorgestellt oder auch Aufträge vergeben werden – von einem Gründer an den anderen oder auch von iq consult. Die neuen Unternehmer können sich so gegenseitig unterstützen und neue Verbindungen knüpfen. Konsolidierung und Wachstum Haben sich die Unternehmer etabliert, stellt sich die Frage, wie das Unternehmen gesund wachsen kann. Auch hier bietet „enterprise“ Unterstützung. Die Gründerstammtische sind ein Element, aber auch das regelmäßige Monitoring und ein individuelles Coachingangebot sind integraler Bestandteil des Projekts. Das Erfolgsmodell aus Brandenburg wird schnell bekannt, und weitere Bundesländer haben Interesse daran, „enterprise“ ebenfalls einzuführen.

Expansion in weitere Bundesländer
Wie kann das Projekt erfolgreich übertragen werden? Das Team erarbeitet ein Konzept. Ohne lokalen Partner ist eine erfolgreiche Übertragung des Projekts nicht möglich, da sind sich alle einig. Es muss jemanden geben, der die Gegebenheiten kennt, die Beratung vor Ort sicherstellt und die regionale Expertise in das Projekt einbringen kann. Die Schulung der lokalen Partner übernehmen die Mitarbeiter von „enterprise Brandenburg“. Die in Brandenburg entwickelten Qualitätsstandards werden mithilfe von Materialien und Checklisten so aufbereitet, dass sie auch an anderen Standorten eingesetzt werden können. Heute ist „enterprise“ in vier ostdeutschen Bundesländern fest etabliert. Die Finanzierung in den Ländern erfolgt durch Mittel aus dem europäischen Sozialfonds (ESF), die durch Spenden zahlreicher Stiftungen ergänzt werden.

„enterprise“-Verbund – gemeinsam für mehr Existenzgründungen
„enterprise“ ist mittlerweile eine Marke, die für die Existenzgründungsberatung von 18–27-Jährigen mit einheitlichen Standards steht. Damit diese Qualitätsgarantie erhalten bleibt, haben die verantwortlichen Träger aus den einzelnen Ländern den „enterprise“-Verbund gegründet. Die Projektleiter treffen sich regelmäßig und tauschen sich über neue Entwicklungen und nötige Anpassungen aus. iq consult stellt sicher, dass die Marke „enterprise“ nicht verwässert oder zweckentfremdet wird. Sind Förderrichtlinien nicht mit der Arbeitsweise des Beratungsunternehmens vereinbar, wird auf die Durchführung des Projekts verzichtet. Dies hat beispielsweise zur Beendigung des Engagements in Sachsen geführt, da seit einer Gesetzesänderung die Förderung von „enterprise“ in der ursprünglichen Form nicht mehr möglich ist.

4. Phase: Den nächsten Schritt gehen

Förderung von Existenzgründung ist aktive Sozialpolitik
Die Ergebnisse von „enterprise“ können sich sehen lassen: Bisher wurden über 1.400 Gründungen in den ostdeutschen Bundesländern realisiert. Statistisch betrachtet, schafft jeder zweite Gründer noch einen weiteren Arbeitsplatz; 70 Prozent der Gründer betreiben ihr Unternehmen noch heute. Doch für Norbert Kunz und Kollegen ist das kein Grund, sich auf dem Erreichten auszuruhen, vielmehr entwickeln sie ständig neue Projekte.

Ein Beispiel dafür ist das Projekt „stattkapital“, ein Mentorennetzwerk für junge Unternehmer. Bislang sind 70 Unternehmer beteiligt: junge Gründer, die Unterstützung suchen, und erfahrene Unternehmer, die ihr Wissen weitergeben möchten. „stattkapital“ übernimmt das Matching passender Paare und organisiert Netzwerkveranstaltungen. In Zukunft soll es auch einen Fonds geben, der die Umsetzung gemeinsam entwickelter Geschäftsideen finanziell
unterstützt.

Seit 2004 engagieren sich die Berliner mit dem Projekt „enterability“ auch in der Existenzgründungsberatung für Menschen mit Behinderung, eine bis dahin noch nicht systematisch erschlossene Zielgruppe für Existenzgründungen. Der Erfolg von „enterability“ spricht für sich: Es wurden bisher 400 Gründungswillige beraten, von denen über 120 ihre Gründungsidee umsetzen konnten. Das Thema Finanzierung bleibt ein Knackpunkt – zum einen für die vielen Existenzgründer und zum anderen für die Durchführung von „enterprise“ und den weiteren Projekten der iq consult. Ziel der Berater ist es, weiterhin ihre Projekte als Beitrag zur Arbeitsmarktpolitik umzusetzen und einen „Social Return on Investment“ zu generieren – für jeden Einzelnen und für die Gesellschaft.

iq consult GmbH
Branche:
Beratung
Kerngeschäft: Existenzgründung, Kultur und Regionalentwicklung
Geschäftsführung: Norbert Kunz, Thorsten Jahnke
Mitarbeiterzahl: 30
Umsatz: 1,4 Mio. Euro p.a.

Kontakt
Norbert Kunz, Thorsten Jahnke
Muskauer Str. 24
10997 Berlin

Telefon: 030/6113429
E-Mail: kunz (@) iq-consult (dot) com;
jahnke (at) iq-consult (dot) com
Internet: http://www.iq-consult.comwww.iq-enterprise.de